Schlagwort: Vereinigte Arabische Emirate

Herrn Jogis Gespür für Personalentscheidungen

Wirklich elegant, wie der Bundestrainer die Causa Kuranyi erledigt hat. Dass Kuranyi mit Löws kombinantionsbetontem Spiel Schwierigkeiten hätte, mag sein. Dass es einer deutschen Mannschaft in einem Turnier nicht schaden kann, einen Stürmer zu habe, der die Bälle am eigenen Strafraum holt und nach Ecken Tore schießt, ist auch unstrittig, aber Herr Löw hat andere Pläne. Fragt sich nur, welche.

Wenn Gomez wirklich zur WM mitfährt, dann ist das Leistungsprinzip endgültig passé. Er war im Van Gaalschen System immer ein Fremdkörper und hat zwar einige Tore geschossen, eins mehr als Farfan in seinem ersten Jahr auf Schalke, als dieser dort noch als Fehleinkauf abgestempelt worden war, um genau zu sein, aber die Vereinigten Arabischen Emirate sind halt nun mal nicht dabei in Südafrika. Klose würde ich auch auf einer Trage im Ganzkörpergips mitnehmen, er ist ein besonderer Spieler und kann den Unterschied machen. Helmes fällt mit Sicherheit raus, er war auch ohne Verletzung nur Ergänzungsspieler. Kießling wird seine Chance bekommen, er hat in der obligatorischen Leverkusen-Krise Steherqualitäten bewiesen, außerdem ist er vielseitig, ein Ballschlepper und Vorlagengeber. Bleibt die Frage Cacau oder Podolski. Blogger probek hatte bereits in der Hinrunde erhebliche Einwände, als ich Podolski das Potenzial attestiert habe, ein zweiter Zidane zu werden. Und der Verlauf der Saison hat dem Kollegen aus München vollumfänglich recht gegeben. Allerdings war Podolski dann wenigstens besser als schlecht, wenn er nicht nur Stürmer spielte, sondern das ganze Spielfeld zu seinem Terrain machte, im Mittelfeld defensive Zweikämpfe gewann, von hinten anschob, also sich ganz wie ein drittklassiger Zidane benahm. Trotz der mißratenen Saison würde ich ihm wegen seiner Vielseitigkeit den Vorzug vor Cacau geben, außerdem hat er in der Nationalmannschaft eine ganz andere Vita als im Verein, quasi ein umgekehrter Ulf Kirsten.

Pokalt erwischt

Mainz mit seinen zahllosen Verletzten und Hannover mit seiner letalen Auswärtslethargie heißen die ersten beiden prominenten Opfer im DFB-Pokal. Bei dem arrivierten Pokalschreck Trier konnte man fast darauf wetten, dass es auch Lübeck gelingt, ist die größere Überraschung. Beinahe zum Opfer der eigenen Behäbigkeit wurden Fürth, 1860 München, Bochum und wieder einmal Hertha, gegen die Preußen Münster mutig aufspielte. Den höchsten Sieg feierte Bremen gegen Union, die ihr neues Schmuckkästchen erst einspielen müssen. Das Seuchenjahr von Werder mit dem DFB-Pokal als Trostpflaster ist damit wohl vorbei, der verlorene Sohn Borowski hat seine Münchner Eskapade beendet. Mit den Grünen ist zu rechnen. Ähnlich souverän gingen Wolfsburg und Schalke zu Werke.

Überrascht hat mich der Sieg der Lauterer in Braunschweig, gilt das Eintracht Stadion doch quasi als ein tiefer gelegter Betzenberg, niedersächsisch eben. Eine gute Maßnahme gegen das große Nervenflattern in der Pfalz, dieses verdient erkämpfte 1-0. Ebenso überrascht war ich vom klaren 3-0 der Frankfurter im Derby gegen Offenbach. Blogleser Nordkurve muss seine pessimistische Skibbe-Einschätzung zur Eintracht möglicherweise revidieren.

Allererste Sahne war natürlich das 3-0 der Clubberer in Dresden, wobei sowohl die Null als auch die drei (kein Stürmertor) nicht zu erwarten waren . Ich kann mich nicht erinnern, wann der Club zwei Auswärtspflichtspiele in Serie 3-0 gewonnen hat. Erst in Cottbus in der Relegation, jetzt kühl bis ins Mark, technisch und taktisch ausgereift bei Dynamo, die ihr neues Stadion auch noch einspielen müssen. Die erste Halbzeit sah ich auf Sky bei einer nahen Verwandten. In der Pause wurde die Übertragung abgestellt, „Ihre SIM-Karte ist nicht für dieses Angebot legitimiert“. Nach dem Umweg durch die sprachgesteuerte Hotline erklärte die freundliche Sky-Mitarbeiterin, Pokal gebe es nur im Sport-Paket, nicht im Bundesliga-Paket. Warum wir eine Halbzeit mit Kluges und Mintals ersten Saisontoren sehen konnten, wußte sie nicht, ich nehme das als gutes Omen für eine Saison, in der alles möglich ist.

Bei Bayern stabilisieren sich die Leistungsträger allmählich. Gomez hat offensichtlich einen Lauf, trifft gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und Neckarelz beinahe nach Belieben. Rensing greift schon wieder nach den Sternen und läßt sich weder durch Lapsus noch Läpschen beirren. Ich verstehe nicht, dass die Bayern ihre Abwehr so vernachlässigen. Lucios Weggang ist mit Sicherheit eine Schwächung, dazu muss man nicht Kaiser sein. Und international ist mit Butt/Rensing kein Blumentopf zu gewinnen. Hildebrand wäre frei gewesen im Winter, aber Hoffenheim war schneller. Ich vermute, die Bayern langen beim Torwart noch einmal hin, Ribery im Tausch für Casillas vielleicht oder Lell, Ottl, Breno, Demichelis, Sosa und Schweinsteiger für Enke.