Schlagwort: Michael Preetz

Auf der Stelle eine Sperre für die blöde Hertha

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Als Zweitligist wurde Dynamo Dresden im November 2011 postwendend für den kommenden Durchgang gesperrt, nachdem Fans im Pokalspiel in Dortmund Böller in den gegnerischen Block geschossen hatten. Wenn der DFB dem hässlichen Gerücht keine Nahrung geben möchte, dass kleine Vereine (aus dem Osten) grundsätzlich strenger bestraft werden als große Vereine (aus dem Westen), sollte man Hertha zeitnah im Pokal für die Saison 2018/19 ausschließen. Die Hertha-Fans haben gezielt in den Rostocker Block geschossen und – wie Dynamo in Dortmund – mehrere Spielunterbrechungen (mit-)provoziert. Dass Michael Preetz sich in Leisetreterei und Verallgemeinerung – „wird uns alle beschäftigen“ – ergeht, ist seiner positiven Rolle bei Hertha in den letzten Jahren unwürdig. Mag sein, dass es der Weltmarke Bundesliga Schaden zufügt, wenn ausgerechnet der Hauptstadt-Verein gesperrt wird. Wenn der DFB wissen will, wie man eine Weltmarke ruiniert, möge er sich Fachkompetenz in Wolfsburg, Sindelfingen oder München holen.

Fans, Nichtfans, Hools, Honks, Orcs, Troggs…

Wenn Fans oder Nichtfans, Hools, Honks, Orcs, Troggs, Bonzos, Gonzos, Honchos, erlebnisorientierte Vollpfosten oder wie immer sie gerne bezeichnet werden möchten, gezielt gewalttätig agieren und dabei schwere Körperverletzungen bei den Zielen ihrer Angriffe in Kauf nehmen, reicht es nicht, sein tiefstes Bedauern zum Ausdruck zu bringen und zu hoffen, dass der DFB kneift. Es ist absehbar, dass früher oder später jemand durch diese Artilleriegeschosse für den Endverbraucher ums Leben kommen oder schwerst verletzt werden wird. Es spielt überhaupt keine Rolle, dass das geklaute Hertha-Banner im Block der Rostocker aufgetaucht ist. Ebenso wenig spielt es für die Beurteilung der Hertha-Fans eine Rolle, ob die Vereinsführung von Hansa diese Aktion gebilligt, gedeckt oder unterstützt hat. Gewalttätige Selbstjustiz ist seit der mittelalterlichen Fehde nicht besser geworden. Angriffe mit Leuchtraketen haben eine völlig andere Qualität als eine gezielte Demütigung oder ein Einbruchsdiebstahl, auch wenn erstere vielleicht vermeidbar und letzteres natürlich eine Straftat ist. Der weit verbreitete Reflex, bei Gewalt gegen Menschen (Raketen oder rassistische Attacken) als erstes Gewalt gegen Sachen (Fahnenklau, brennende Autos) dagegen aufzurechnen, wird der spezifischen Qualität von Angriffen auf Leib und Leben nicht gerecht. Meinetwegen werden beide Vereine in der nächsten Pokalsaison gesperrt. Die Dresdner Fans (diesmal die echten und eigentlichen), die in Osnabrück (Feuerzeug auf Schiedsrichter Martin Petersen 2015, Pokalspiel für RB Leipzig gewertet) und all die anderen können ein Lied davon singen, wie es ist, wenn der DFB gerade mal wieder „Konsequenz“ und „Härte“ simuliert. Sie und viele anderen werden es hoffentlich nicht akzeptieren, wenn das Debakel von Rostock keine Konsequenzen hätte. Eine Fankurve ist kein Yogakurs, es darf dort derb zugehen, grob, einseitig, aber Gewaltlosigkeit ist unabdingbar. Die Menschen, die bei Dresden in den Fanblocks stehen, sind seit 2011 deutlich manierlicher und verantwortungsbewusster geworden. Das macht es leichter zu betonen, dass Dynamo, wie Hansa Rostock Gründungsmitglied der gesamtdeutschen Bundesliga 1990, ein ziemlich geiler Verein ist.

Saisonvorschau: Fröhliche Kellergeister – Augsburg, Hoffenheim, Berlin, Braunschweig

Man mag sich gar nicht vorstellen, wo Augsburg landen könnte, wenn sie einmal eine halbwegs ordentliche Hinrunde absolvieren würden. In der Rückrunde waren sie in der letzten Saison Siebter, einen Punkt hinter den Überfliegern aus Freiburg. In jedem Fall wird Augsburg wieder die Klasse halten, vermutlich unter weniger dramatischen Umständen als in den letzten beiden Jahren. Die Mannschaft ist extrem nervenstark, Reuter und Weinzierl wissen um ihre Möglichkeiten, alle lieben ihr Image als ewige Underdogs. Auch der Abgang von Oehrl und Langkamp sowie die Verletzung von Manninger ändern nichts daran. Urmel bleibt erstklassig.

Hoffenheim traue ich eine ähnliche Saison zu wie Gladbach nach der erfolgreichen Relegation gegen Bochum. Gisdol hat seinen Spielern die nötige Demut eingeimpft, um erfolgreich zu sein, und von Rudy über Firminho bis Volland und Vestergaard haben die Hoffenheimer zahlreiche überdurchschnittliche Einzelkönner in ihren Reihen. Hinzu kommt eine neue mannschaftliche Geschhlossenheit. Wer am letzten Spieltag in Dortmund gewinnen muss und das auch schafft, der hat das erfolgreiche Schlüsselerlebnis gehabt, um als Mannschaft auf ein anderes Level zu kommen. Seit Gisdol Trainer ist, hat das Klischee vom Retortenverein deutlich an Überzeugungskraft verloren. Er ist einer der expressivsten Vertreter der Trainerzunft, wer so jemanden an der Seitenlinie hat, kann nicht die Kopfgeburt eines Großsponsors sein.

Die Hertha ist wieder da. Diesmal als souveräner Zweitliga-Meister. Ob’s reicht für mehr als eine Saison? Babbel galt nach dem Aufstieg auch als Erfolgsgarant, dann kam der Streß mit Preetz, in der Rückrunde der Abstieg. Dass Luhukay nicht ohne weiteres der Aufstiegsmannschaft vertraut, sondern mit Ronny und Niemeyer gleich mal zwei Schlüsselspieler in Frage stellt, muss kein Fehler sein. Es zeigt auch, dass Preetz seine Hausaufgaben gemacht hat, und die vier Neuzugänge Baumjohann, van den Bergh, Hosogai und Langkamp nicht nur eine Menge Erstligaerfahrung mitbringen, sondern auch die Möglichkeiten für Luhukay erhöhen. Wenn Trainer und Manager sich nicht wieder in einen sinnlosen Prestigekampf verbeißen und die leicht erregbare Lokalpresse nicht gleich überdreht, sieht es nicht schlecht aus mit dem Klassenerhalt.

Braunschweig plagt das gleiche Problem wie die Fürther im letzten Jahr: Im Sturm haben sie zu wenig Durchschlagskraft. Auch die Rückkehr von Kumbela wird daran nichts ändern. Braunschweig hat anders als die Kleeblättler allerdings ein Heimpublikum, das für den einen oder anderen Sieg sorgen kann. Mit Fanatismus ist die Stimmung nur unzureichend umschrieben. In der Stadt Heinrich des Löwen hat man mehr nach der Bundesliga gelechzt als in Düsseldorf, Augsburg, Wolfsburg, Berlin und Cottbus zusammen, um mal ein paar Aufsteiger der letzten Jahre zu nennen. Trotz der psychologischen Unterstützung  von den Rängen wird es für Braunschweig nicht reichen. Aber wie für viele andere Traditionsvereine kann es dann nur heißen: Nach dem Abstiegskampf ist vor dem Aufstiegskampf.

Elf Gründe, warum Hertha in der Bundesliga bleiben muss

1.) Anders als in vormodernen Gesellschaften (Köln, Lüdenscheid) pflegt die autochthone Bevölkerung ihren örtlichen Kult nur sehr dezent (weinerliche Zeitungsüberschriften).

2.) Dank der hervorragend ausgebauten Infrastruktur ist das unter Denkmalschutz stehende Stadion gut zu erreichen.

3.) Die taktische Ausrichtung der Mannschaft und ihr Spielniveau lassen Auswärtssiege von Nürnberg, Schalke, ja sogar Fürth erwarten.

4.) Das Team hat ein superoriginelles Maskottchen: Einen Bär, der Herthino heißt und austrainerter wirkt als der 1. FC Köln unter Solbakken. (Man beachte die steinalten, quergestreiften Trikots aus der Zeit, als es noch was zum Jubeln gab.)

5.) Die Nachwuchsarbeit wird großgeschrieben. Die Gebrüder Boateng haben es bei Milan und Bayern bis in die Weltspitze geschafft, Dejagah  sogar bis nach Wolfsburg.

6.) Michael Preetz ist ein richtig netter Kerl, solange er sich nicht als Manager versucht.

7.) Randsportarten wie Wasserball (in Spandau) und Seifenkistenrennen (im Wedding) sind populärer als Hertha. Daher Man bekommt daher für alle Heim- bzw. Gastspiele problemlos Karten, außer für die Bayern. Aber wer will schon die Bayern sehen.

8.) Der Verein ist ein sicherer Hafen für Bayern-Spieler, die es nicht in die Weltspitze schaffen: Kraft, Lell, Ottl. Bald auch schon Breno, Rafinha, Petersen?

9.) Ralf Rangnick als ehemaliger Schalke-Trainer verspricht ähnlich erfolgreich zu wirken wie Huub Stevens als ehemaliger Schalke-Trainer. Die Merchandising-Abteilung rechnet damit, 200.000 Rangnick-Voodoo-Püppchen verkaufen zu können (Stevens: 850.000).

10.) Durch einen sofortigen Wiederaufstieg im übernächsten Jahr könnten falsche Erwartungen geweckt werden. Hertha kann nur gesunden, wenn es die nächsten zehn Jahre am Abgrund entlang wankt. Das schult den Gleichgewichtssinn und erleichtert den präzisen Querpass in der eigenen Hälfte.

Der elfte Grund ist wegen einer Würgeattacke im eigenen Strafraum vom Platz gestellt worden. Aber hier hat Rehhagel bereits die Köpfe frei bekommen und für den Umschwung gesorgt. Am Samstag traf es Babel von Hoffenheim.