Schlagwort: Jürgen Klinsmann

Meine Geheimfavoriten (2)

Meine Geheimfavoriten haben alle noch ein Spiel vor sich und müssen bis zum Abschluss der Gruppenphase aus datenschutzrechtlichen Gründen noch geheim bleiben.

Einer ist leider schon ausgeschieden, weil ein Schiedsrichter kurz nach Mitternacht ein reguläres Tor aberkannt hat. Dafür hat jetzt eine Mannschaft eine Chance aufs Weiterkommen, die von einem Kontinent kommt, für dessen Teams ich allergrößte Sympathien habe.

Einer meiner Geheimfavoriten ist schon qualifiziert und spielt heute um den Gruppensieg. Sie haben einen Titelfavoriten aus dem Turnier gekegelt und das 1-0 in diesem Spiel war Poesie wie von Pablo Neruda (zwinker, zwinker). Einer der Spieler heißt wie ein Sänger aus dem Land, den man ermordet hat.

Der dritte Geheimfavorit hat von einem Ex-Weltmeister eine mittelschwere Klatsche übergeholfen bekommen und muss das letzte Spiel gewinnen, hat aber durchaus eine realistische Chance aufs Weiterkommen, wenn sein Trainer nicht vorher an einem Magengeschwür zugrunde geht. Die Abwehr war löchrig wie, na, wie…?

Der vierte Geheimfavorit wird vermutlich Opfer einer abgefeimten Absprache zwischen ehemals ziemlich besten Freunden. Selbst wenn sie ihr letztes Spiel hoch gewinnen, könnte es nichts nutzen. Die Mannschaft spielt in einer Gruppe, in der es bisher nur außergewöhnlich spektakuläre Spiele gab.

Anmerkungen:

Die öffentlich-rechtliche Berichterstattung spottet weitgehend jeder Beschreibung. Tom Bartels bei Deutschland-Ghana an Borniertheit kaum auszuhalten. Plädiere für kommentarlose Spiele. Lieber Planstellen abbauen und Alphabetisierungskampagnen in anderen Ländern damit finanzieren.

Japan und Südkorea waren stark, als alle defensiv spielten. In dieser Offensiv-WM geben sie keine gute Figur ab.

Costa Rica rocks. Jetzt müssen die Urus bloß noch Italien rauswerfen.

Zwei Ex-KSC-Spieler sind die meinungsbildenden Experten dieses Landes. Warum ist der KSC nur zweitklassig?

„The Last of England“ ist der Titel eines ziemlich tollen Films von Derek Jarman. Er passt aber auch für die letzten zwanzig Minuten von England – Uruguay.

Was für ein unglaublicher Luxus, Podolski, Klose, Weidenfeller und Schweinsteiger auf der Bank zu haben. Gut gewechselt, Bundestrainer.

Wenn Poldi gegen die USA ein Tor schießt, rennt er aus Versehen zu Klinsmann und umarmt ihn.

Freundliche Einladung zu meiner nächsten Lesung:

Am 28. Juni lese ich von 18 – 18.30 Uhr in der Bier- und Weinbar Otello in der Poststraße 28, 10178 Berlin aus meinem Kriminalroman „Immer schön gierig bleiben„. Veranstalter ist der Verein Nikolaiviertel e.V., der am kommenden Wochenende zum 1. Berliner Bücherfestival einlädt. Ich freue mich auf viele Zuhörerinnen und Zuhörer und glaube nicht, dass in der ersten Halbzeit des ersten Achtelfinales sonderlich viel passieren wird.

Saisonvorschau – Bayern und Dortmund in der Hitze des Gefechts

Was Paul Breitner alles zusammen fantasiert, wenn er zu lange in der Sonne war, kann man in der Abendzeitung München nachlesen. Wer bei 38 Grad im Schatten trotzdem noch kühl analysiert, kann feststellen, dass die Schockstarre, die die Bundesliga in der letzten Saison befallen hatte, offenbar vorbei ist. Man muss sehr viel laufen gegen diese Bayern und jede Art von Standardsituation in Strafraumnähe vermeiden. Mit beherztem Gegenpressing und einer guten Chancenverwertung kann man sie nicht nur ärgern, sondern auch schlagen. Nicht jeder spielt das so superb wie der BVB, aber auch Schalke, Nürnberg, Mainz, Leverkusen, Freiburg und Gladbach können das. Weitere Erkenntnisse: Das Interview mit Pep Guardiola im Aktuellen Sportstudio am Samstag weckt leise Zweifel an den kommunikativen Kapazitäten des neuen Übungsleiters. Er antwortete an jeder Frage vorbei und rang mit den Worten ähnlich hilflos wie das Bayern-Mittelfeld mit Ilkay Gündogan, der gegen den direkten Nationalelf-Konkurrenten Schweinsteiger einen lockeren Punktsieg einfuhr. Dass der Pep wild gestikulierend taktisches Grundwissen an seine Spieler vermittelt oder seine Lieblingsszenen aus Bruce-Lee-Filmen nacherzählt, kein Thema. Aber im Vergleich zu Guardiolas mündlichen Vortrag hätte Trappatoni auch Dekan einer Germanistik-Fakultät werden können. Seit der Verpflichtung von Thiago frage ich mich außerdem: Wird Schweinsteiger in der Winterpause verfkauft oder noch im Sommertransferfenster? Ich habe das Gefühl, Pep rotiert den Schweini listig aus der Mannschaft. Das ist jetzt natürlich blöd. Erfüllt man den Wunsch des Ärabegründers (Klinsmann hat ja nur den Parkplatz begrünt) und jagt ihm zu Liebe das Urgestein vom Hof? Oder steht man nach Guardiola plötzlich ohne einen der besten Sechser Europas da?  Nach diesem Supercup-Abend bin ich mir sicher, dass die Bayern keinen erneuten Durchmarsch hinlegen werden. Starke und van Buyten patzten zwar kräftig, aber die Einfallslosigkeit der langen Bälle und das halbherzige Zweikampfverhalten kann man ihnen nicht anlasten.

Wenn man von den Durchhängern des Marcel Schmelzer (schon in WM-Form) mal absieht, war das eine großartige Leistung von Dortmund. Der alte Biss ist zurück beim BVB. Großkreutz ist zwar ein primitiver Berufslüdenscheider, spielte hinten rechts aber mehr als nur solide. Und das Sahnestückchen kommt ja noch. Mkhitarian (die erste Silbe wird stimmlos gesprochen, als würden Sie in einem Asthmaanfall tief Luft holen) ist erst in drei Wochen fit. Der passt in diese Mannschaft hinein wie ein Gesäß auf einen tragbaren Flüssigkeitsbehälter mit Henkel. Das wird richtig gut werden. Wer glaubte, Lewandowski würde die Arbeit verweigern, wurde eines besseren belehrt.  Emsig, ballsicher und mannschaftsdienlich spielte der Pole, war überall zu finden, nur nicht in der Schmollecke. Das Einzige, was man sich noch wünschen kann, wäre mehr Mut beim Einsatz von Nachwuchsspielern. Aber beim sportlich völlig wertlosen Supercup gegen einen Gegner wie alle anderen auch, durfte es dann schon die Bestbesetzung sein. Dortmund wird in der kommenden Saison wieder stilbildend agieren, was Trainerjubelposen und Offensivspiel angeht. Die Defensive (bis auf Weidenfeller und Großkreutz) muss noch eine große Schippe drauflegen, damit es für einen weiteren Titel reicht. Lieber noch einen guten Linksverteidiger holen statt Kagawa, oder Sokratis auf dieser Position anlernen. Schmelzer wirkt überspielt und braucht einen exzellenten Ersatzmann.

Grrr, Grrr, Gratuliere

Gestern ist der neue Spielplan veröffentlicht worden, damit ist die Saison 2012/13 endgültig vorbei. Deshalb auch an dieser Stelle: Gratulation an den FC Bayern München zu den sportlichen Erfolgen, vor allem aber für die Art und Weise, wie die schwarze oder sagen wir besser rote Bestie aus der Säbener Straße in der abgelaufenen Saison gespielt hat. Der absolute Höhepunkt waren für mich die beiden Spiele gegen Barca. Wie gerne habe stillvergnügt gefeixt, als die Bayern vor ein paar Jahren unter Trainer Klinsmann in Halbzeit Eins im Hinspiel 4-0 hergespielt wurden. Diesmal war das 7-0 in beiden Spielen nicht nur in der Höhe verdient, sondern ein spielerischer und taktischer Augenschmaus. Und die Grundprämisse dieses Blogs  – guter Fußball hat Respekt verdient – gilt auch für die Bayern.

Die Hochachtung fällt mir natürlich auch deswegen leicht, weil sich das spielende Personal grundlegend gewandelt hat, weil die Bayern 2012/13 nicht nur ein teurer Haufen Ballzombies, sondern eine wirkliche Mannschaft waren, darunter überwiegend Leute, für die man sich nicht fremd schämen muss.

Schauen wir uns den Kader aus dem CL-Finale 2001 gegen Valancia an: Sagnol und Zickler machten nicht wirklich Lust auf Fußball. Linke und Andersson waren schrecklich brav. Effenberg war schrecklich, stets die wandelnde Karikatur eines Kleinbürgers. Bei Sky im Anzug sieht er aus, als käme er gerade von seiner eigenen Konfirmation. Und dass Jancker einmal Sturmspitze in München gewesen ist, wirkt für Nachgeborene ähnlich unwirklich wie die Berliner Mauer. Auch Scholl und Lizarazu konnten an diesem Lemurenstelldichein nichts retten, das sich irgendwie und mit dem Elfmetertöter Kahn zum Titel würgte.

Heute gibt es in der Abwehr „Olala“ Alaba und Lahm. Lahm sieht zwar auch so aus, als käme er gerade von seiner eigenen Konfirmation, aber was für eine Klasse stellt er dar. Dann gibt es den wieder genesenen Schweinsteiger, dessen Potenzial zur tragischen Figur trotz des Finales dahaoam noch nicht ausgereizt ist. Es gibt Robben, der sein Herz im Gesicht trägt, egal, ob er schmollt, seine Nebenleute beschimpft oder in Tränen des Glücks auf den Rasen sinkt wie in Wembley. Und es gibt Thomas Müller, dem man ähnlich wie Augenthaler nicht wirklich vorwerfen kann, im falschen Verein zu sein, so gut passt er zu den Roten. Er hat das erste Tor im ersten Saisonspiel gegen Fürth gemacht und von er war derjenige, der der Mannschaft eine Seele gegeben hat. Nicht der Dribbler Fronck, der Stratege Kroos, der spielende Knipser Mandzukic. Thomas Müller ist einfach nur groß.

Für einen Moment dachte ich, es wird noch besser, als der von mir lang erwartete Verkauf von Gomez konkret zu werden schien. Aber mit der Verpflichtung von Götze ist man offenbar in die alten Muster zurück gefallen. Hauptsache jung und teuer. Das wird für Götze bei Bayern ähnlich zäh wie für Podolski oder für Sahin bei Real.

Es hat einfach alles gepasst in der Triplesaison: Die neuen Spieler – Dante, Martinez, Mandzukic – alle Volltreffer, Heynckes ein Ausnahmekönner, der so arbeiten durfte, wie er wollte, Schweinsteiger fit, Gomez verletzt, Boateng fokussiert, Neuer unauffällig, Sammer dezent, Dortmund doppelbelastet.

Das Triple wird hoffentlich ein einmaliger Ausrutscher bleiben. Vielleicht muss Pep Guardiola – natürlich in fließendem Deutsch – Ende August erklären, warum es gegen Nürnberg eine Heimniederlage gegeben hat. Mintal als Co-Trainer toppt alles, auch Thomas Müller. Locker.