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Die Fischköpfe grinsen wieder

img_5258-fischkoepfe-kleinHertha BSC ist sicherlich eine der erfreulichen Überraschungen dieser Saison. Pal Dardai hat den Mannen in blau-weiß Entschlossenheit, Geduld und Zielstrebigkeit beigebracht. Schön spielen können sie phasenweise auch. Dass sie am Samstag Abend ihr Heimspiel gegen Werder Bremen verloren haben, tut dieser positiven Entwicklung keinen Abbruch.

Bremen ist noch nicht ganz so weit, aber auch auf einem guten Weg. Mit Serge Gnabry, Claudio Pizarro und Max Kruse haben sie eine Offensivreihe, die einem Champions-League-Aspiranten gut zu Gesicht stehen würde, Jaroslav Drobny ist ein im Abstiegskampf erprobter Torhüter, Clemens Fritz ist als alter Haudegen mittlerweile so etwas das Gesicht des Vereins geworden – des Vereins, nicht der Krise. (Das andere Gesicht ist Frank Baumann, wie Stefan Kießling in Leverkusen und Stefan Reuter in Augsburg ein Ex-Clubberer, der andernorts mehr als nur heimisch geworden ist. Thomas Eichin, Baumanns Vorgänger hat mich nie so richtig überzeugt, genau so wenig übrigens wie Robin Dutt oder Matthias Sammer als Manager). Auf dem Spielfeld tummeln sich neben den Aktivposten bei Werder so wechselhafte Charaktere wie Zlatko Junuzovic, Santiago Garcia oder Lamine Sané, die an guten Tagen ein Spiel entscheiden können, an schlechten aber eben halt auch.

Jedenfalls ist die Lethargie, die Mumienstarre, die grün-weiß seit einigen Jahren befallen hatte, offenbar von der Mannschaft abgefallen, auch wenn sich das zahlenmäßig noch nicht besonders deutlich abzeichnet. In der letzten Saison hatte Werder nach 14 Spieltagen einen Punkt weniger, am Ende hatten sie nach Stuttgart die zweitschwächste Abwehr der Liga. Mit 65 Gegentoren war grün-weiß um drei Treffer schlechter als Hannover 96 als Letzter. Auch jetzt steht Bremen in dieser Statistik mit 32 Toren wieder ganz hinten, wenn es bei diesem Schnitt bliebe, wären es am Ende 78 Gegentore.

Nimmt man die Zahlen nur aus der Zeit seit dem Trainerwechsel nach dem dritten Spieltag, sieht es nur geringfügig besser aus. Unter Alexander Nouri holte Werder alle seine 14 Punkte, siegte gegen Wolfsburg und punktete beim HSV. In den 11 Spielen unter Nouri waren es noch 20 Gegentore, gestern spielten sie zum ersten Mal in dieser Saison zu Null. Mit Glück zwar, aber das kann man sich ja bekanntlich auch erarbeiten, erwurschteln und erblocken. Vor der Winterpause warten mit Köln und Hoffenheim zwei weitere Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel. Theoretisch könnte Werder mit zwei Siegen die sicheren 20 Punkte sogar einen Spieltag früher als nötig erreichen. Mit Kruse aus der Krise, das klingt so nach Bild am Sonntag, da grunzt das Phrasenschwein. Auch die Fischköpfe haben wieder etwas zu grinsen.

Van Gaal – ein General und Gentleman

EasyCredit wirbt jetzt im kicker damit, dass es den fairsten Spieler der Saison bestimmen will. Sieger des ersten Spieltags ist Tinga von Borussia Dortmund mit 39 Punkten, der für seine 37 gewonnenen Zweikämpfe ohne Foul jeweils einen Punkt sowie 2 Punkte für die kicker-Note 3 bekam. Diekmeier vom Club ist Achter und auch in der Elf des Tages dabei. Für Rot gibt es -250 Punkte, weshalb Dante nach seiner Roten Karte unfairster Spieler des ersten Spieltags ist. Er braucht jetzt 247 gewonnene Zweikämpfe ohne Foul, um eine schwarze Null zu schreiben.

Spitzenreiter bei der Fairness war am Wochenende allerdings Louis van Gaal, der bei einer strittigen Entscheidung zugunsten der Bayern spontan für die Torkamera plädierte, obwohl seine Mannschaft dadurch gegen Hoffenheim früh in Rückstand geraten wäre. Wäre van Gaal ein deutscher Spieler, würde er kein Spiel im DFB-Dress mehr absolvieren. Die Erziehung zum mündigen Spieler hat ihre Grenzen anders gesagt war Frank Rost seiner Zeit einfach zehn Jahre voraus, als er anfing, seine Meinung zu sagen. Ihm fehlt der Klassensprecher-Charme von Philipp Lahm, der im Sportstudio lausbübisch grinsend erklärte, das ausfallende Verhalten seines Kapitäns sei ja „schon viel besser geworden“.

Besagter Kapitän heißt Mark van Bommel fällt jetzt erst einmal vier Wochen mit Zehenbruch aus, putzigerweise nach einem mißglückten Versuch, seinen Gegenspieler von hinten umzutreten. Die Zwangspause spart ihm mindesten 200 Minuspunkte bei EasyCredit. Mag ja sein, dass er mit seiner Spielweise die anderen Spieler mitreißen möchte, aber er wirkt vor allem umreißend. Frank Baumann war viele Jahre Käptn von Bremen und machte das auch ohne Meckern, Schubsen, Boxen recht gut. Jetzt ist Frank nicht mehr da, und meine optimistische Prognose für die Bremer angesichts des Fünfnull gegen Union könnte sich als verfrüht erweisen, obwohl die Frankfurter mich nicht überrascht haben. Könnte gut sein, dass der Club gleich noch einmal verliert.

Van Gaal ist jetzt gewungen, Timoschtschuk zu bringen. Ob der brav den Lückenbüßer gibt, wenn van Bommel wieder fit ist? Oder spielt er sich mit 300 Minuspunkte gleich in die Herzen der Bayern-Fans?