Monat: Februar 2012

Frühlingserwachen im Breisgau

Ich bin kein Sportclub-Fan. Dem SC Freiburg verdankt der Club zwei seiner bittersten Abstiege, und das Anhimmeln des Brilli-Trainers Finke (heute autoritärer Sack in Köln) und des ganz anderen Vereins (St. Pauli mit Abitur) war mir in den Neunzigern zu pflichtbewusst und berechenbar. Trotzdem wäre es schön, wenn Freiburg die Kurve noch kriegen würde in dieser Saison. In der Nachwuchsarbeit sind sie an der Dreisam mittlerweile führend in der Liga. Wenn man Trainer Streich über Fußball und seine jungen Spieler sprechen hört, klingt diese Begeisterung gepaart mich fachlicher Kompetenz ein bißchen wie Weisweiler. Dass es gegen die Bayern zu einem Punkt gereicht hat, ist in jeder Hinsicht erfreulich, demnächst wird es auch wieder Siege für den Sportclub geben. Das Derby in Stuttgart böte einen würdigen Rahmen. Anders als bei Gladbach in der letzten Saison sind es nur acht Tore bis zur Relegation und zwei Punkte zur Rettung.

In der unteren Tabellenhälfte hat am Wochenende als einzige Mannschaft der Nürnberg gewonnen. Es ist schön zu sehen, wie sie trotz aller Unzulänglichkeiten die Gegner schlagen, die sie schlagen müssen und langsam als Mannschaft wachsen. Jetzt wird es Zeit, eine Schippe drauf zu legen und auch mal gegen ein Team aus dem oberen Drittel zu punkten und den einen oder anderen Überraschungscoup zu landen. Die nächsten Gegner heißen Bremen, Gladbach und Mainz. Pinola wird sehnlichst erwartet.

Pekhart hat mit einem phantastischen Kopfball das Siegtor gegen  Köln erzielt, ein Tor so ähnlich wie Kloses 1-1 gegen Argentinien 2006. Ich kenn niemand in der Liga außer vielleicht Huntelaar, der so klug köpfen kann wie Pekhart. An dem wird der Club noch viel Freude haben.

Dieser Kopfball an einem torreichen Wochenende wirft die Frage auf, was ein schönes Tor ausmacht. Dass Reus‘ Schlenzer gegen Neuer zum Tor des Monats gewählt wurde, hat viel mit Sympathie und weniger mit Ästhetik zu tun. Ich finde Tore schön, die dem Charakter als Mannschaftssport gerecht werden, die den Raum mit ins Spiel bringen. Also eher Mintals 1-1 im Pokalendspiel gegen Stuttgart als Kristiansens 3-2. Rein ästhetisch jetzt, nicht sportlich und nicht emotional. Auf welt.de gibt es eine Kompilation der vermeintlich 100 schönsten Tore des Jahres 2011 mit der üblichen Weitschußdominanz in solchen Kompilationen. Kopfbälle haben Seltenheitswert. Gerd Müller hat mit einem Flugkopfball gegen Banik Ostrau mal das Tor des Jahres gemacht, aber das ist schon eine Weile her. Und Uwe Spies, Breisgau-Brasilianer im Ruhestand, hat überhaupt nie geköpft.

Doof wie Hertha

Im Moment übertrifft Hertha sich selbst. Erst die Entlassung von Babbel. Der beste Trainer seit Röber musste gehen. Und warum? Weil er keinen Bock auf das übliche Gelaber – wir haben die besten Fans, Berlin ist die tollste Stadt – hatte. Weil der gebürtige Münchner, der mit dem FC Bayern ungefähr achtmal Deutscher Meister wurde, zu seiner Heimatstadt steht, wurde er in Berlin alsbald als Schnösel und Vaterlandsverräter hingestellt, und irgendwann sah der Verein dann Handlungsbedarf.

Als nächstes die Verpflichtung von Skibbe. Es gab keinen Hertha-Fan, mit dem ich in der Winterpause gesprochen habe, der nicht felsenfest der Meinung war, dass Skibbe den Abstieg bedeutet. Und fünf Niederlagen in Folge danach sind die schlimmsten Erwartungen wahr geworden.

Vergangenen Mittwoch dann die dämliche Pokalpleite. Soll er doch wegbleiben, der Hubnik. Soll sich ihm der Kraft doch in den Weg stellen. Diese Rote Karte war vollkommen berechtigt und wird hoffentlich Schule machen. Lieb gemeinte Kopfstöße gibt es nicht. Und von wegen Schauspieler de Camargo. Das theatralische Sich-Fallen-Lassen ist immer noch besser als ein Revanchefoul. Irgendwo muss er ja auch hin mit seiner Aggression.

Gestern die Rolle rückwärts. Skibbi, das Buschkänguru ist mit leerem Beutel weitergehopst. Und der Erste Sekretär, Genosse Preetz, erklärt: Genossen, ich habe Fehler gemacht. Tretschok könnte sich als richtig guter Griff erweisen, um in der Zweiten Liga von neuem aufzubauen. Endlich mal eine Personalentscheidung mit Weitsicht.