Monat: Juni 2010

Zeit der Fehler

Ein Bloemfontein- und zwei Abseitstore in acht Spielen. Jetzt bewegt sich sogar die FIFA, gegen die im Vergleich der Vatikan ein junges Non-Profit-Unternehmen mit flachen Hierarchien ist. Bei solch klaren Toren wie dem gegen Deutschland ist ein technisches Hilfsmittel bestimmt vernünftig, aber was soll der Chip im Ball bei dem Tor von Tevez machen? Einen Selbstzerstörungsmechanismus auslösen? Um Hilfe schreien?

Im Achtelfinale haben sich bis auf Ghana immer die Gruppenersten durchgesetzt, was zeigt, wie eng es in den Gruppen zuging. Viele Zweite hätten auch Dritte werden können. Jetzt ist ein rein südamerikanisches Halbfinale möglich, keine schlechte Revanche für 2006. Aber abwarten. Spanien sehe ich stärker als Paraguay, Ghana hat den Heimvorteil. Für Holland wird es ganz schwer, sie müssen eine Sternstunde erwischen, so wie Frankreich 1998 im Endspiel. Und Schland? Außer Rand und Band? Spielt Diego an die Wand? Oder doch Ausstand nach Rückstand beim Endstand? Argentinien wurde von Mexiko eigentlich ganz gut beschäftigt bis zu dem Abseitstor.  Aus dem Hintergrund müßte Schweinsteiger schießen, Schweinsteiger schießt…

Mach’s mir brasilianisch, Baby.

Nämlich beidfüßig. So isser, der Brasilianer. Spielt einfach immer nur so gut wie nötig. Das war schon 2002 so, als man jedesmal dachte: Hat nicht viel gefehlt und die hätten verloren. Dann gewannen sie aber doch. Im Halbfinale gegen die Türkei dank ihres überragenden Torhüters Marcos, der sich nicht zu Unrecht beschwerte, dass Kahn zum besten Patzer Torhüter des Turniers gewählt wurde. Und auch gegen den weißen Brasilianer und seine Kumpane wurden sie immer besser, je länger das Finale dauerte. Jetzt fängt das wieder an. Gerade noch ein ereignisarmes 0-0 gegen Portugal und jetzt, dribbel, schnibbel, wibbel, Chile mal eben zur Abendstunde abgefrühstückt und dabei zwar defensiv entnervend gut, aber eben nicht nur dunganös abwartend, sondern auch steil und geil in die Spitze. Kein Zufall, dass Abwehrmann Juan den ersten Akzent nach vorne setzte.

Holland robbt sich heran

Und wieder eine Hürde locker übersprungen. Dank eines Robert Vittek, der an seine schlechteren Tage in Nürnberg erinnerte und eines Torhüters Mucha, der wild und planlos unter dem Ball hindurchhüpfte, und natürlich wegen Arjen Robben und wegen des guten Mannschaftsgeistes in Oranje und wegen der Harry-Potter-graumeliert-Frisur von Bert-ohne-Ernie-van-Marwijk sind die Holländer jetzt heimlich, still und unspektakulär ins Viertelfinale geschlichen. Ob sie Gala schon im Viertelfinale können oder sich alles fürs Endspiel aufheben, mal sehen.

Unhold Beckmann sagte übrigens gerade Arjen van Robben in der ARD. Armer Mehmet Scholl, der muss nach vier Wochen WM zu einer Backenmuskeltherapie zu Müller-Wohlfahrt, kommt aus dem höflichen Grinsen gar nicht mehr raus.