Monat: Februar 2010

Ohne Övrebö habt ihr keine Chance

Der Club hatte eine und machte sie rein, fertig war ein Unentschieden für die engagierten und kompakten Defensivkünstler in rot-schwarz. Und dieser kostbare Punkt wird noch schöner, weil er glücklich war, weil man sich hinterher nicht anhören musste, gegen diese Bayern an diesem Tag wäre mehr drin gewesen. Eine Chancenauswertung von 100%, eine geschlossene Mannschaftsleistung mit einem unermüdlichen Pinola und einem eiskalten Breno, und ein Raphael Schäfer, der die eine, die tausendprozentige Gelegenheit von Mario Gomez perfekt entschärfte. Und kein Schiri, der einfach mal so ein Abseitstor durchgehen ließ, wie gegen Dortmund, wie gegen Florenz.

Ich weiss nicht, was mich bei der Champions League mehr wundert: Dass der Bruchpilot Övrebö tatsächlich noch einmal pfeifen durfte, oder dass die Bayern ernsthaft vom Titel reden. Sie stehen da, wo sie in den Jahren seit 2001 meistens standen, im Achtelfinale mit dem Auswärtsauftritt im Rückspiel. Und nach dieser einfallslosen Offensivleistung vom Mittwoch erscheint es unwahrscheinlicher denn je, dass sie diese Saison auch nur in die Nähe des Endspiels kommen.

Wenn man sich die angeblich so tolle Siegesserie einmal ansieht, stellt man schnell fest, dass die meisten Gegner entweder schwach oder mitten in einer Krise waren. Dass man gegen Haifa, Hannover, Gladbach, Hertha, Mainz und Fürth gewinnt, sollte eigentlich kein Anlass sein, sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Hier stehen auch die drei Zu-Null-Spiele der Serie zu Buche. Die grossen Namen Juventus, Hoffenheim, Bremen und Wolfsburg standen zum Zeitpunkt der Begegnung gerade mehr oder weniger neben sich: Juve ist überaltert und der arme Buffon humpelte sichtlich durch seinen Strafraum, Hoffenheim hat zu viele Verletzte, Bremen den bekannt schlechten Start und Wolfsburgs Abwehr ist schlechter als die von Hertha. Drei eher durchschnittliche, gute eingestellte Mannschaften mit aufsteigender Tendenz reichten, um die Bayern ins Straucheln zu bringen: die laufstarken Dortmunder, die taktisch klugen Florentiner Hörnchen und die mutig verteidigenden Clubberer. Bis 10. April heissen die Gegner auswärts Florenz, Leverkusen, Frankfurt und zweimal Schalke, zuhause geht es gegen den Angstgegner HSV und die bestens aufgelegten Stuttgarter.

Der wie immer beflissene Marcel Reif beeilt sich heute im Tagesspiegel zu versichern, die Bayern können sich nur selbst um den Erfolg bringen, und das Spiel in Nürnberg sei der Beweis dafür gewesen. Ich habe das Gefühl, dass van Niestelrooy, Cacau, Gilardino, Köhler, Kuranyi, Kroos und die anderen den Bayern diese Aufgabe nicht konkurrenzlos überlassen werden.

Eine schwierige Saison für Raphael Schäfer

Raphael Schäfer hat es nicht leicht in dieser Saison. Nach seinem Nachhakeln gegen Misimovic wurde er durch Fernsehbeweis gesperrt. Dass es nicht in Ordnung war, was er da gemacht hatte, ist klar. Ob es rot gewesen wäre, wenn es Schiedsrichter Schmidt gesehen hätte, ist eine andere Frage. Misimovic hat im gegnerischen Fünf-Meter-Raum ganz schön rumgepöbelt vorher. Und dass Torhüter ihr Revier schützen (dürfen), wird auch der Schiedsrichter gewusst haben, der es großzügig mochte, und bei klarer Sicht weder Wolf noch Josué vom Platz stellte. Warum er dann Schäfers Einsteigen aus drei Metern Entfernung angeblich nicht gesehen hat, weiss nur er, und warum es dann gleich vier Spiele Sperre sein mussten, nur der DFB. Unterm Strich standen dann für Nürnberg vier Spiele ohne Schäfer, ohne Tor, ohne Punkt.

Letzten Samstag machte der Club-Torwart dann den spielentscheidenen Fehler gegen Stuttgart, nachdem er vorher sein Team bis zur 86. Minute mit teilweise Weltklasseparaden im Spiel gehalten hatte. Er monierte zwar Abseits, aber er wusste, dass er sich von Hilbert hatte vernaschen lassen. Kurz danach schlitzte ihm ein Stuttgarter auf der Torlinie die Kniekehle auf, wofür es weder Gelb noch vier Spiele Sperre gab. Hauptsache, der Schiedsrichter hat diese Sehne richtig beurteilt.

Gestern Abend hatte Schäfer wieder einen unglücklichen Moment, beim 2-1 für Gladbach. Meiner Meinung nach war Matmour eine Idee früher in der Luft, er springt ziemlich senkrecht in die Höhe,will zum Ball, nicht in den Mann. Schäfer nimmt das Duell an, aber der Aufprall verhindert, dass er die Kontrolle über den Ball kriegt. Wenn er Matmour erfolgreich geblockt hätte, hätte es sicher keinen Elfmeter gegeben. Nützt aber nichts: Ball verloren – Spiel verloren.

Man hätte das auch abpfeifen können, aber eine eindeutige Fehlentscheidung war es nicht, genauso wie der Handelfmeter für die Bayern gegen Fürth am Mittwoch. Kann man geben, muss man nicht. Wenn man jetzt natürlich in jedes Trikot einen Chip einpflanzen würde, der die Aufprallgeschwindigkeit, den Ellebogenwinkel und die Bewegungsrichtung in Sekundenbruchteilen berechnet, gäbe es derartige Skandalentscheidungen nicht mehr. Bem vorwärts eingesprungenen Flugblocker von Fürstner gegen die Bayern müsste man allerdings schon die Hirnströme messen, um Fehlentscheidungen zu vermeiden. Die Dioden könnte man in den von Petr Cech zu Weltruhm gebrachten Helm integrieren, ein echter High-Czech-Helm, der dann Pflicht für alle wäre. Will ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand spielen, bekommt der Schiedsrichter einen kleinen Ball auf seine Uhr gesendet. Will er nur das Gleichgewicht halten, funkt der Helm eine kleine zweifelsfreie Waage.

Nächsten Samstag kommen die von sich selbst restlos bedröhnten Bayern nach Nürnberg. Solange Hannover weiter so rumgurkt und Hoffenheim und Wolfsburg sich im dezenten Sinkflug befinden, besteht keine dringende Notwendigkeit, dieses Spiel zu gewinnen. Wir wollen sie noch einmal, die erfolgreiche Relegation. Am liebsten gegen Kaiserslautern. Aber vielleicht kann Schäfer wieder einmal eine perfekte Leistung zeigen, gut gehalten hat er ja bisher.

Abwarten und Jogi-Tee trinken

Oh weh, gibt es jetzt etwa eine Führungskrise beim DFB? Das ist ja, wie wenn bei Toyota die Bremsen versagen.

Nachdem uns die schwarz-gelbe Koalition über Nacht neue Dimensionen eröffnete, Hoffnung implantierte und eine konservative Wertegesellschaft buk – nur aus ein bißchen Eischnee und dem, was im Shredder der Hypovereinsbank übrig blieb – scheint sich Deutschland auf seinem Weg zurück zur Weltgeltung die Adduktoren gezerrt zu haben.

Am Donnerstag war alles noch harmonisch bis an die Kitschgrenze – Theo, wir fahren nach Lodz, gab sich Manager Bierhoff optimistisch bezüglich der EM-Teilnahme 2012.  Mit einem Mal gibt es möglicherweise häßliche nicht zu überbrückende Differenzen bezüglich der künstlerischen Arbeit, wie das damals auch schon hieß, bei der Scheidung von Pat und Patachon, bei der Trennung von AC und DC, bei all diesen gescheiterten Traumbeziehungen. Solche Widersprüche zwischen ausdrucksstarken Persönlichkeiten sollte man nicht hochsterilisieren, sie lassen sich aber auch nicht einfach wegondulieren. Wahrscheinlich hat einer der erfolgsorientierten jungen Sportstrategen sich im Konferenzraum auf den Boden geworfen und geschrien: Ich kann so nicht arbeiten, ich kann so nicht arbeiten. Und Zwanziger hat gesagt: Probier’s doch mal mit hinsetzen.

Löw gegen Sammer, Ballack gegen Bierhoff, und dieser Flick, war mit dem nicht auch mal was, was ganz Fieses, in den Achtzigern? Dabei sieht er noch so jung aus. Was es wohl für unerfüllbare Forderungen waren, die da laut wurden? Pocher ins DFB-Präsidium? Lebenszeitvertrag für Bierhoff? Dass die beide Oliver heißen riecht ja schon mal verdammt nach Verschwörung. Hat es jemals einen Oliver beim DFB gegeben? Oliver Vogts, Oliver Herberger? Und jetzt gleich zwei. Oder war es ein lukrativer Werbevertrag von Marlboro für Joachim Löw? Aber RAUCHEN GEFÄHRDET IHRE LAKTATWERTE.

Auch wenn mir Bierhoff nicht besonders sympathisch ist, einen Teamchef Sammer brauchen wir am allerwenigsten. Dann doch lieber Magath, selbst wenn er beim Gepäck nachzahlen muss, mit den ganzen Medizinbällen im Flugzeug nach Johannesburg. Borussia Dortmund mahnt uns alle. Nach der Zufallsmeisterschaft haben die schwarz-gelben sechs Jahre gebraucht, um sich von Sammer zu erholen. Löw könnte in der Zeit so viel Gutes tun. Warten wir mal ab, wann Ballack die Schnauze voll hat. Erst wird sein Kumpel Frings gemobbt, und jetzt diese miesepetrige Zwischeneinlage. Darauf erst mal ein Schlückchen von dem echten Jogi-Tee, mit der Kraft der zwei Herzen und dem Karma der acht Chakren.

Als Kevin Kuranyi gehört hat, dass es Stunk gibt beim DFB, hat er übrigens gleich einen Südafrikanisch-Kurs gebucht an der Volkshochschule Gelsenkirchen: Afrikaans, iek kanns, Dankje voor de Flankje. Man weiß ja nie.