Monat: September 2006

Großer Sport

Na bitte, es wird eine Saison der Außenseiter. Hapoel Tel Aviv und Maccabi Haifa beide glatt und deutlich weiter. Was sich in der EM-Qualifikation bereits andeutete, setzt sich auf Vereinsebene fort. Wenn sich Israel tatsächlich für die EM qualifiziert, wird die UEFA (das F steht im Moment für feige) das Turnier vermutlich in Österreich, der Schweiz und auf Zypern austragen lassen.

Hertha raus, wie nach dem Hinspiel nicht anders zu erwarten. Wer schon immer wissen wollte, was Vestenbergsgreuth auf Dänisch heißt, kann jetzt unter O wie Odense nachlesen.

Betrüblich, wenn auch nicht unverdient, das Ausscheiden des S 04. Hamit Altintop hatte einen unterirdisch schlechten Tag erwischt, der ansonsten hervorragende Schiedsrichter gab ein Tor der Schalker nicht und stellte Slomka vom Platz, weil der die Stirn in Falten legte. Asamoah wurde ungewollt und unbeholfen das Bein gebrochen. Es gibt so Tage, da wäre man besser nicht nach Nancy gefahren. Übrigens haben es die Schalker im Hinspiel verloren. Totale Dominanz erst ab der 86. Minute reicht heutzutage nicht mehr.

Frankfurt schmeißt Bröndby raus und spielt sehr, sehr gut anzuschauenden Fußball. Leverkusen macht aus 351 Großchancen satte drei Tore und gewinnt somit sogar sorgenfrei gegen Sion, immerhin eine Mannschaft aus der, jawohl, der Schweiz höchstpersönlich. Ich sag’s ja: mit Leverkusen in der Gruppenrunde wird es bestimmt eine Saison der Außenseiter.

Das eigentliche Problem: Mittlerweile gibt es zu viele Vereine, die internationale Einnahmen vorab fest einkalkulieren.  (Löbliche Ausnahme: Bremen) Warum? Weil die Garantieeinnahmen aus der Gruppenphase der Champions League alle anderen Ligakonkurrenten immens unter Druck setzen. Aber niemand, nicht einmal Arsenal, Real, Manchester, haben die Garantie, jedes Jahr Europapokal zu spielen. Man kauft teure Spieler, um international dabei zu sein, man muß international dabei sein, um teure Spieler kaufen zu können. Klappt das nicht, kommt es zum Zusammenbruch wie in Dortmund (die zweimal die CL vergeigten) oder zum Verkauf von Leistungsträgern wie beim HSV (van Buyten, Barbarez). Eine solide Kalkulation darf Einnahmen aus dem Europacup zunächst gar nicht enthalten. Ein Zweitligist kann ja auch nicht mit dem Zuschauerschnitt für die erste Liga planen. Selbst der VfL “YoYo” Bochum nicht.

Ergo: Extrem dumm gelaufen für Schalke, Hertha und den HSV, der Mühe haben wird, Platz drei in seiner CL-Gruppe zu erreichen. Hertha wird in der Liga davon profitieren, den UEFA-Cup nicht auch noch an der Backe zu haben, auch wenn jetzt gejammert wird in Berlin. Aber Hoeneß ist nicht gleich Hoeneß und ein Spitzenclub war Hertha seit dem Wiederaufstieg nie, dazu braucht es mehr als einmal Platz drei, wie der HSV gerade lernt. Bei Schalke scheint alles möglich. Trotzreaktion, Absturz ins Bodenlose, Trainerwechsel, das Platzen des Knotens. Ich finde, die Spieler sollten auf den Teil des Gehalts verzichten, der durch diese Katastrophenvorstellung jetzt im Budget fehlt. Müssen sie bis Weihnachten eben ohne Prämien auskommen. Selbst schuld. Nur Bordon und Rost genügten internationalen Ansprüchen. Alle anderen: komplett neben der Spur.

Wanderer, kommst du nach Cott

bus, so wisse, dass dort die freundlichsten Fans der Liga auf dich warten. Im Stadion der Freundschaft ist der Name Programm und alles ein bißchen anders. Die Haupttribüne ist kleiner als die auf der Gegengeraden. Dort und nicht in der Kurve stehen auch die Treuesten der Heimfans, im Block I. In den Kurven stehen große schattige Bäume mit einladenen Astgabeln, die am Sonntag leider leer blieben, weil es auch gegen Nürnberg nicht ausverkauft war. Auf der Haupttribüne hockt ein gigantischer Ronald McDonald und spontan assoziierte sich die Frage, ob Georg Heyms Zeile aus “Der Gott der Stadt” nicht so zu lesen sei: “Auf einem Häuserblocke sitzt er – breit”. Schließlich wird im Stadion Lübzer Pils ausgeschenkt.

Mag sein, dass man als Clubberer in Cottbus den einen oder anderen Stein im Brett hat. Timo Rost kommt aus Nürnberg. Der Club stieg einmal vorzeitig auf, weil Cottbus den Konkurrenten besiegte. Das hat man den Lausitzern nicht vergessen. Es gibt eine gewisse emotionale Nähe der Kleinen im Schatten der Großkopfeten in München und Berlin, wobei Cottbus mit einem Etat von 10 Millionen kleiner ist als mancher Zweitligist. Und einen Trainer, der Hans Meyer heißt, gibt es auch. Jedenfalls habe ich noch kein entspannteres Auswärtsspiel erlebt. Umgeben von sachkundigen und stimmgewaltigen vorwiegend weiblichen Cottbusfans erlebten wir ein ordentliches, in der zweiten Halbzeit kämpferisch leidenschaftliches Fußballspiel. Das Heimpublikum begleitete jeden von Torwart Piplica halbwegs kontrolliert berührten Ball mit frentischen Beifallsrufen und feuerte den Schlußmann mit dem Kosenamen “Pippi” (oder doch “Pipi”?) unentwegt an. Ergo hielt er fehlerfrei. Der Club verspielte zwar zwei Punkte, aber es gibt Schlimmeres, als die in Cottbus liegen zu lassen, vor allem, wenn der Torschütze Steffen Baumgart heißt. Der große alte Mann ist einer der wenigen Spieler in der Bundesliga, die allein durch ihre Präsenz ein Spiel drehen können, ein unermüdliches, Energie(sic!)bündel, fair vom Scheitel bis zur Sohle, Bernd Schneider nicht unähnlich. Mir völlig unverständlich, warum der nicht immer von Anfang an spielen darf, wenn er alle seine Adduktoren beisammen hat.
Verglichen mit dem Heimspiel gegen Bochum bot der Club eine wesentlich konzentrierte Leistung, vergaß allerdings gegen völlig indisponierte Cottbusser in der ersten Halbzeit das 2:0 zu machen und entschloß sich dann zu früh, nämlich etwa in der 70. Minute, auf Halten zu spielen. Trotzdem darf man sich auf die nächsten 29 Spiele freuen. Mnari, Polak und Pinola und auch Innenverteidiger Wolf werden immer besser. Mintal war deutlich aktiver als gegen Bochum. Seine Eleganz und Spielübersicht sind ein Augenschmaus, auch wenn er torlos blieb und den einen oder anderen Fehlpaß baute. Vittek “hielt insgesamt recht gut mit”. In der zweiten Halbzeit gelang dem Slowaken aber keine einzige saubere Ballannahme mehr, er war platt. Warum Meyer Banovic erst drei Minuten vor Schluß brachte, bleibt sein Geheimnis.

Banovics Glatze war an diesem spätsommerlichen Septembertag übrigens die einzige weit und breit. Nur ein gut gelaunter Redskin sang in der Bummelbahn auf dem Heimweg Lieder auf Ernst Thälmann. Einer von vielen Gründen, dem FC Energie die Daumen für den Klassenerhalt zu drücken. Aber wenn Baumgart durchspielt und Piplica seine Glanzform halten kann, werden nicht mehr viele Mannschaften in der Lausitz einen Punkt entführen.

„Das ist der Ramadan“

Der kicker ergänzt in seiner heutigen Ausgabe einen recht interessanten Text über Fußballprofis während des Ramadan mit folgendem kleinen theologischen Hinweis:

“Während des Ramadan ist der gläubige Moslem zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang zu strikter Abstinenz angehalten. Nicht nur Essen und Trinken, sondern auch Rauchen und Geschlechtsverkehr sind in dieser Zeit untersagt. Reisende, Kranke, Kinder, Schwangere und stillende Mütter sind von dieser Vorschrift ausgenommen.”

Hoffentlich löst das jetzt nicht den Dritten Weltkrieg aus.